Unterwegs in Abchasien: Grenzübertritte

22 April, 2013 — Platschi

Die Abenddämmerung ist bereits auf dem Vormarsch, als wir nach einem langen Tag entlang der Serpentinenstraße zwischen Dzhubga und Sochi endlich in Adler ankommen. Unser letzter Fahrer lädt uns noch auf eine Spritztour entlang der Baustelle für die olympischen Winterspiele 2014 ein (über die miserablen Zustände dort berichten andere), ehe wir am südlichen Ende Russlands ankommen.


Bei der Grenzüberschreitung fragt mich plötzlich die freundliche russische Beamtin, dass ich doch meine Hülle vom Reisepass abnehmen solle, die natürlich schon längst abgenommen ist. Scheinbar sieht zu zum ersten mal einen deutschen Pass. Ich verstehe natürlich absolut gar nichts und lasse die gute Dame mit ihrem Fachwissen alleine. Sie fragt ihren Kollegen, welcher in selbigem Kabuff sitzt und vielsagend den Kopf schüttelt. Nach einiger Zeit wagt sie sich leicht verwirrt hinaus und rennt mit meinem Pass in irgend ein anderes Gebäude, während die Reihe hinter mir schon langsam ungeduldig wird. Demonstratives Kopfschütteln und freundlich lächeln ist in solchen Situationen angesagt. Scheinbar schafft es irgendwann ein Vorgesetzter, ihr deutlich zu machen dass ich keinen Stempel benötige und einfach durchgewinkt werden kann. Na also, geht doch. Das Problem an der Sache ist jetzt natürlich, da Abchasien leider vom Rest der Welt (abgesehen von 6 Nationen) noch nicht als eigenständiger Staat anerkannt ist, dass mein russisches Visum während des Aufenthaltes in einer angeblich abtrünnigen, georgischen Provinz einfach weiterläuft. Ganz so, als ob ich nie aus der Russischen Föderation ausgereist wäre. Na, wenn das mal kein Wink mit dem Zaunpfahl ist.

Alltag in Abchasien

Auf der anderen Seite des Flusses Psou erwarten uns dann die freundlichen Abchasen. Maria darf draussen warten, während ich - zugegebenermaßen leicht nervös - vom Wachbeamten in ein Holzhäuschen geführt werde. Es eröffnet sich mir ein kleiner, länglicher Raum, an dessen Ende ein schlichter Holztisch steht, hinter dessen Fasade ein üppiger Abchase sitzt. Zu den Seiten links und rechts sitzen einige Beamte, deren Langeweile deutlich zu spüren ist. Ich werde händeschüttelnd begrüßt und meines Reiseziels befragt, während von den Seiten Verwunderung über mein Herkunftsland herrscht und ich meine vorab erhaltene Einreisegenehmigung überreiche. Dieses bekommt man vorab, zugegeben überraschend modern und unbürokratisch, durch ausfüllen eines Formulares auf der Internet-Präsenz des Abchasischen Außenministerium, innerhalb weniger Tage per E-Mail zugesendet. Protokolliert wird in einem dicken Büchlein, darauf hin bekomme ich den freundlichen Hinweis, in einigen Tagen - es habe aber weiß Gott keine Eile - in der Hauptstadt bei irgendeinem Ministerium mein Visum abzuholen. Die Prozedur ist locker und löst sich schnell, als die Beamten mir noch Ratschläge bezüglich ihres lokalen Dauerrenners, dem Wein, geben. Kein Stempel, nichts, wieder ein kräftiger Händedruck und die Formalitäten sind erledigt.

Nachdem wir die Grenzanlagen hinter uns lassen, wandern wir hinaus in die mittlerweile düstere Nacht der Republik Abchasien. Straßenbeleuchtung gibt es nur beim letzen Wachbeamten an der Grenze, und so recken wir kurz hinter ihm unsere Daumen, ohne Ziel, ohne Gewissheit, wohin es heute Nacht noch gehen wird. Aber wie das eben so ist beim Reisen per Anhalter, hält das zweite Fahrzeug an. Ein Minivan mit einer armenischen Familie, die gerade aus Russland zurückgekommen ist. Schnell geht es über kurvige, dunkle Straßen, entlang der Stadt Gagra nach Alanadzi, einem größtenteils armenisch bewohnten Küstenort. Die Familie lädt uns für zwei Tage in ihr Haus ein, und ehe wir uns versehen sitzen wir unter einer Weinlaube, welche zugleich Freiluftwohnzimmer ist, vor einem reichlich gedeckten Tisch. Der gute hauseigene Rotwein sowie ein guter Schuss vom Tschatscha dürfen natürlich nicht fehlen, und so feiern wir mit unseren tollen Gastgebern eine herrliche Willkommensparty in diesem wunderbaren Land.

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