Trampen in Uruguay

02 April, 2013 — Platschi

Als Anhalter ist es immer etwas besonderes, in einem neuen, unbekannten Land Fuß zu fassen und den Daumen zu recken. Wie werden die Menschen hier reagieren? Stimmt die Hitchwiki Bewertung? Komme ich heute noch irgendwo an?


Der erste Trip auf ein einem neuen Kontinent ist da natürlich das i-Tüpfelchen. Und so stehen wir an einem sonnigen, südamerikanischen Spätsommermorgen an einer Bushaltestelle in den Außenbezirken Montevideos. Für unseren ersten Kurztrip haben wir die Ruta 1 in Richtung Colonia del Sacramento gewählt; auf dem Papier eine viel befahrene Verbindungsstrecke zwischen Montevideo und der Fähre in Colonia, welche das kleine Land mit der argentinischen Metropole Buenos Aires verbindet. Summa summarum in etwa 350 km für den Hin- und Rückweg. Machbar also an einem Tag.

Mit dem Bus geht es gemütlich hinaus in Richtung Tres Ombúes. Die Trampstelle, die wir uns herausgesucht haben, liegt an einer Brücke über die Ruta 1, an welcher in circa 200m Entfernung eine Art Seitenstraße einbiegt, quasi eine Auffahrt auf die Autobahn. Kurz hinter einer Feria steigen wir aus. Ferias sind in Montevideo täglich, an bestimmten Tagen oder wöchentlich wiederkehrende, quer über die Stadt verteilte Flohmärkte, auf denen man zwischen alten Büchern, Elektrogeräten, Hippiekram und importierten Früchten die kuriosesten, antiken Raritäten finden kann.

Uruguay, Colonia

Einige junge Uruguayer schauen nicht schlecht, als wir zwei blanke, just dem Winter entkommenen Europäer in gelb-rot leuchtenden Anzügen schnurstracks auf die Autobahn zumarschieren. Glücklicherweise ist die Auffahrt wenig befahren, und so können wir diese perfekt als Haltestelle für den fließenden Verkehr nutzen. Platz ist vorhanden, und es dauert gerade einmal eine Minute, bis ein alter, klappriger VW uns zur Weiterfahrt einlädt. Zwar nur wenige Kilometer weiter, aber der erste Lift in Südamerika ist uns geglückt! Die beiden wohl erfreuten Herren laden uns am Kreisverkehr zu Paso de la Arena wieder aus. Dort geht es rasch weiter, nach sechs Minuten und beständigem Verkehr geht es bis zum Beginn der Brücke bei Santiago Vasquez (siehe Foto). Ich habe das Vergnügen auf die Ladefläche eines weißen Pickups springen zu dürfen, während Maria neben dem Fahrer platzt nimmt. Während der Fahrt weht mir der frische Duft von Eukalyptus und ein deftiger Wind aus der Pampa entgegen. Mit dem Rücken zum Fahrerhäuschen sitzend verschiebt sich die uruguayische Metropole mit zügiger Geschwindigkeit in den hinteren Teil des Horizontes. Schnell ist die Fahrt vorbei, und wir sind glücklich, dass per Anhalter reisen in Uruguay offenbar super einfach ist.

Nun stehen wir mitten auf der Autobahn am Ende einer kleinen Auffahrt, von welcher kein Verkehr kommt in den 24 Minuten, die wir dort verbringen. Noch immer fließt der Verkehr entlang der Autobahn, aber leider mit ziemlicher Sicherheit mit einer überhöhten zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Diese Situation ist für einen Anhalter oft prekär, da potentielle Mitnehmer im generellen, auch der Sicherheit aller wegen, ungerne von 100 auf 0 auf den Seitenstreifen einer Autobahn abbremsen. Aber, keine Panik! Autobahn ist nicht gleich Autobahn, und westeuropäische Zustände haben wir hier zum Glück noch lange nicht. Und wie es kommen musste, hält dann auch beizeiten ein LKW auf dem Beschleunigungsstreifen der Auffahrt. Acht gebend auf die Ledertasche mit der Thermoskanne und dem Mate Becher, nehmen wir in der Fahrerkabine platz.

Unser neuer Freund nimmt uns mit bis Rosario, einen Großteil der Strecke bis Colonia. Trotz seines undeutlichen Spanisch, dessen wir absolut noch nicht mächtig sind, verstehen wir uns prächtig. Ich komme zu der Ehre mit ihm Yerba Tee zu trinken, nachdem er an einer Tankstelle anhält, um seine Thermoskanne aufzufüllen. Dafür gibt es an uruguayischen Tankstellen entsprechende Automaten, denn die Nachfrage nach heißem Wasser ist hier verdammt hoch. Es dauert nicht lange, und ich entschließe mich in naher Zukunft näher mit diesem Getränk auseinander zu setzen.

Eine der nützlichen und sinnvollen Eigenschaften der uruguayischen Autobahnen bzw. ‚Rutas’ sind die Kreisverkehre nahe den meisten Ortschaften, die sich perfekt eignen zum anhalten von Kraftfahrzeugen. In den günstigsten Fällen gibt es eine Bushaltestelle in jede Fahrtrichtung, manchmal sogar mit Möglichkeit zum unterstellen. Bäume sind rar am Straßenrand, so kann man sich hier ohne entsprechenden Schutz schnell einen Sonnenbrand wegholen.

Aber auch bei Rosario warten wir nur kurz, bis ein Toyota samt männlichem Fahrer und zwei Kleinkindern hält und uns bis zu einem unverständlichen Ort mitnimmt. 20 km vor Colonia stehen wir dann wenig später an einer Bushaltestelle, welche leider mitten an der Straße liegt und dessen Verkehr zügig an uns vorbeischreitet. Es dauert eine geschlagene halbe Stunde, bis sich jemand erbarmt und uns den Rest des Weges bis in die Stadt mitnimmt.

Fazit: Die Straßen eigenen sich hier perfekt um per Anhalter zu reisen; breite Seitenstreifen sind vorhanden und Kreisverkehre verlangsamen den Verkehr an wichtigen Abfahrten. Bushaltestellen gibt es zur Genüge entlang des Weges. Die Uruguayer scheinen, zumindest auf dieser Strecke, recht Mitnahmefreudig. Wir müssen an unserer Technik ein wenig arbeiten, um längere Wartezeiten mitten auf der Autobahn zu vermeiden. Man könnte damit anfangen, beim nächsten Mal eine Karte mitzunehmen um eben kurze Lifts, die einen mitten auf der Straße herauslassen, zu unterbinden.

Tags: deutsch, südamerika, uruguay