Sonntage in Montevideo

05 December, 2013 — Platschi

Während die Sonne langsam hinter dem Rio de la Plata im Meer versinkt und die Abenddämmerung hereinbricht, spielt sich in Montevideo allsonntäglich ein für Auswärtige bemerkenswertes Ritual ab. Hier und dort sieht man in den südlichen Barrios (Stadtvierteln) Barrio Sur und Palermo eilig Männer und Frauen mit übergroßen Trommeln durch die Gegend brausen.


Sobald dann die Nacht hereingebrochen ist, beginnt das Schauspiel, welches als Candombe bekannt ist. Ursprünglich von afrikanischen Sklaven aus ihrer Heimat mitgebracht in die neue Welt, hat sich diese Tanzbewegungsform schnell in die Kultur und Tradition Uruguays eingefunden. An den Straßenecken der Barrios trudeln langsam immer mehr Trommler und tanzfreudige Zuschauer herbei - ob alt oder jung spielt dabei keine Rolle. Zur Vorbereitung werden dabei Feuer entfacht, an denen die Trommeln aufgewärmt werden, währenddessen alle Beteiligten drumherum über die Geschehnisse der vergangenen Woche diskutieren, die neuesten Klatschgeschichten verbreiten und genüßlich an ihrem Mate oder Bierchen schlürfen.

Sobald es los geht, stellen sich die Trommler in mehreren Reihen neben- und hintereinander auf und beginnen ihren rythmischen Marsch durch ihr jeweiliges Viertel. Vorneweg bereitet meist das tanzwütige Volk den Weg, während eine Traube an Zuschauern die Trommler als Anhang ihres Weges begleitet. Zunächst langsam eröffnend, beginnt das Getöse der Trommeln bald schon damit, vom noch aufgewärmten Teer der Straße und von den Häuserwänden zu schmettern. Bis weit über den Block hinaus vermag man die Schläge zu hören, während unter einem der Asphalt vibriert und man unweigerlich beginnt zu wippen. Nach gut einer Stunde ist das Spektakel vorüber. Hier und dort beobachtet man durchgeschwitze Trommler, die sich stolz ihr Blut von den Handrücken reiben.

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