Guatemala

12 April, 2017 — Platschi
  • Ixpanpajul - Rio Dulce (162.541 km)
  • Rio Dulce - Gas Station El Manatial KM37 (162.847 km)
  • El Manatial - Antigua (162.924 km)
  • Antiua - Volcano P - Antigua (163.036 km)
  • Antigua - Atitlan (163.178 km)
  • Atitlan - Antigua (163.319 km)
  • Antigua - San Salvador (163.600 km)

Der Norden Guatemalas ist hauptsächlich geprägt von Landwirtschaft. Kleine, verschlafene Käffer zieren die Hauptverkehrsstraße bis hin zu dem Ort Rio Dulce ("Süßer Fluß") am gleichnamigen Fluß.

Unser erster Eindruck von Guatemala war, dass es doch recht sauber ist. Die kleinen Dörfer rund um die Region Peten sahen arm, aber gepflegt aus, Bäume und Sträucher blühten an allen Ecken und Kanten. Die Straßenverhältnisse waren angenehm, nur vereinzelte Schlaglöcher, einige Hügelchen hier und dort, kaum Verkehr. Entspannte Fahrt.


Peten

Kurz vor dem Rio Dulce änderte sich das Straßenbild dann plötzlich. Es lag wieder vermehrt Plastikmüll entlang der Straße, und im Allgemeinen machte die Gegend einen eher schäbigen Eindruck. Der Ort Rio Dulce war vollgepackt mit seltsamen Menschen und kleinen Geschäften, die beide kein Problem damit hatten, die Hälfte jeder Fahrbahn einzunehmen. Militär patroullierte das Dorf, und vereinzelte, wirre Touristen irrten ratlos umher. Da macht das Autofahren Spaß, besonders mit so einer großen Karre die wir haben, wo ich vorne und hinten nicht sehe, wen oder was ich gerade an- oder umfahre. Die Aussicht von der Brücke über den Rio Dulce, angeblich die größte in Zentralamerika, ist sehenswert, mehr aber auch nicht. Das Wetter war sehr feucht und heiß, tropisch eben. Ansonsten keine weiteren Vorkommnisse.

Am nächsten Tag machten wir einen kleinen Abstecher zu einem Wasserfall 25km vom Ort entfert, teils entlang einer üblen Schotterpiste, teils entlang einer nigelnagelneuen Autobahn. Der Wasserfall an der "Finca Paraiso" mit heißem Wasser plätschert genüßlich in den lauwarmen Fluß. Sehr tolle Kombination, bei der Hitze bot der Wasserfall eine optimale Entspannungsdusche. Da wir es aber nie lange an einem Ort aushalten, sind wir danach direkt weitergedüst in Richtung Guatemala Stadt. Straßenverhältnisse schwankten stark zwischen "ok" bis teilweise "geht so" und "ach du sch* schon wieder nen Schlagloch". Immerhin kein Geröll. Dazu ging es langsam in die berüchtigten Gebirgsregionen Guatemalas, quasi hinter lahmenden, pechschwarzen Rauch aushustenden Lastkraftwagen bergauf, bergab, bergauf, bergab, und so weiter. Die Nacht haben wir, ganz wie es als Tramper immer am schönsten ist, an einer Tankstelle verbracht. Kurz mit der "Security" (In Zentralamerika meistens Typen mit der Kombination Goldkette / Schrotflinte) gesprochen, ca. 2 US$ als Trinkgeld für seine harte, nächtliche Arbeit und unsere Sicherheit gezahlt und wir konnten entspannt unser Auto neben der Tanke vor ein paar geparkten Bulldozern für die Nacht aufstellen. 24/7 Sanitäranlagen inklusive. Optimal.

El Manatial

Danach ging es am frühen Morgen durch Guatemala Stadt. Großstadt halt, für mich heißt es da meist "raus, so schnell wie möglich!". Wir sind dann ca. 30km weiter in Antigua gelandet, einer Stadt die zum Weltkulturerbe gehört. Und ja, Antigua ist verdammt touristisch. Aber wow, was für eine wunderschöne Stadt. Von fast jeder Ecke der Stadt, die größtenteils in sehr gut gepflegtem Kolonialstil erhalten ist, ist der über der Stadt thronende Vulkan zu sehen. Ein herrlicher Anblick, dazu frisches, angenehm frühlinghaftes Wetter. Mir hat es sehr gut gefallen. Die Nächte durften wir auf dem Parkplatz eines Hostels verbringen, und für eine kleine Gegenleistung deren WC/Dusche, Küche und WiFi nutzen.

Antigua

Sehr nett! Zwischendurch die Gegend etwas erkundet, den Vulkan Pacaya besucht, um dann zum berühmten Atitlan-See zu fahren. Die Fahrt entlang der Panamerikana war entspannt, es ging zwischenzeitlich in den Nebel auf 2500m, ehe die Straße zum See unsere Bremsen am Auto komplett verschleißt hat.

Übersät mit Schlaglöchern geht es hier die Serpentinen in sich windenden 180 Grad Kurven steil bergab. Kein Zuckerschlecken für zart besonnene. Auf halbem Wege stank es dann fürchterlich, und bei näherer Betrachtung qualmten unsere Bremsen bereits beträchlich. Na geil. Halbe Stunde Abkühlung, und wir konnten zum See weiterfahren. Der See an sich un die Aussicht sind ebenfalls traumhaft, ein Anblick der einem die stressige Anreise absolut verzeiht. Seht selbst..

Atitlan

Eine absolute Sauerei war es jedoch, dass an der Einfahrt zu beiden Orten am See eine "Gebühr" erhoben wurde für alle einreisenden Weißen. Der Witz dabei ist, dass die "Quittung", die ausgestellt wird, nur ein Stück halb-offiziell erscheinendes Papier ist, auf dem einfach Zahlen von 1 bis 20 stehen. Kreuzen Sie dann bitte ihre gewünschte Gebühr an. Trotz zäher Diskussion mussten wir am Ende zahlen, da ein dazukommender Polizist natürlich den "Gemeindeoffiziellen" lautstark begann zu unterstützen. Wo das Geld denn hinfließt? Na in die Gemeinde! Infrastruktur! Ja wow. Davon konnte man leider absolut nichts sehen, zumindest was die extrem schlechten Straßenverhältnisse anging. Willkommen in der Touristenfalle. Keine Ahnung ob an anderen Orten rund um den See ebenfalls diese Gebühr einem abgezockt wird, aber aus eben jenem Grund würde ich jeglichen Besuch an den Ort San Marcos de La Laguna in Zukunft boykottieren. Wenn man schon extra Zahlen muss für den Besuch eines Dorfes, dann bitte will ich auch sehen, dass der dicke Beamte sich das Geld nicht selber in die Tasche steckt. Eine bodenlose Frechheit!

Nach einem Tag ging es wieder zurück nach Antigua, da unser kleiner Fieber hatte, was aber zum Glück schnell wieder abgeklungen ist. Wahrscheinlich die Zähne. Tags darauf ging es entlang der südlichen Hauptverkehrsstraße nach El Salvador. Diese war - obwohl Montag war - nur geringfügig befahren, und so konnten wir entspannt die einer Savanne ähnelnden Landschaft genießen, ehe es Adios Guatemala hieß und wir ein anderes Kaliber vor uns hatten: El Salvador.

Fazit Guatemala: Absolut sehenswert die Highlands, angenehmes Klima, freundliche Menschen. Leider auch viele Touristen und demenstprechende negative Begleiterscheinungen.

Tags: deutsch, zentralamerika, guatemala